"BLACK TAXI" bei www.amazon.de, www.libri.de, bei Ihrer Buchhandlung unter
ISBN 3-8334-4473-8
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Leseprobe:
„Die kleinen Schulkinder, ihre Eltern und einige Sympathisanten sammelten sich an einer Straßenecke, um gemeinsam den Weg zur Grundschule zu gehen. Bereits nach hundert Metern konnte er das riesige Polizeiaufgebot sehen, dass die Straße so weit abgeriegelt hatte, dass nur noch eine winzige Gasse übrig blieb. Auf beiden Seiten dieses mit Absperrgittern bewehrten Durchlasses sah man viele Menschen stehen, die Plakate, Flaschen und andere Dinge in die Höhe reckten. Als sie sich den Leuten näherten, konnte Martin die wutverzerrten und vom blinden Fanatismus entstellten Gesichter sehen. Sie brüllten den kleinen Schulmädchen und ihren Eltern die übelsten Schimpfworte entgegen. Einige davon hatte Martin noch nie gehört. Der Zorn und der Hass lief diesen Protestierern als stinkender Geifer aus den Mundwinkeln. Doch das war erst der Anfang des unmenschlichen Spießrutenlaufs. Die Polizisten schafften es zwar, die Gasse für die katholischen Grundschüler und deren Angehörige frei zu halten, hatten jedoch kein Interesse an der Verhinderung schlimmster Übergriffe. Die kleinen Mädchen wurden bespuckt und ihnen wurden pornographische Bilder unter die Nase gehalten. Der ganze Tross, der sich langsam Richtung Schule bewegte, wurde mit Steinen, Flaschen, Golfbällen und anderen Wurfgeschossen traktiert. Besonders widerwärtig waren die mit Urin und Exkrementen gefüllten Plastikbeutel, die immer wieder auf sie nieder regneten. Die Art des Protestes war mit dem Begriff „unmenschlich“ nur unzureichend bezeichnet. Martin verlor in diesen Minuten fast sein komplettes Grundvertrauen. Wie konnte so etwas geschehen? Welcher Hass musste diese Menschen antreiben? Das Schlimmste waren für Martin jedoch nicht die Attacken der zu Tieren mutierten Anwohnerschaft. Das Schlimmste waren die Augen der Kinder. Sie klammerten sich an ihre Mütter und Väter. Man hörte kein Schreien. Sie weinten und schluchzten lautlos vor sich hin. In ihren Augen war nichts als blanke, nackte Angst. Sie hielten das Gesicht gesenkt und drängten sich ganz nah an die Körper ihrer Eltern. Sie vergruben den Kopf in die Hände ihrer Erzeuger, damit sie nichts hören und sehen konnten. Doch das half ihnen nicht. Das Entsetzen, die Verzweiflung und die Hoffnungslosigkeit bildeten eine unheilvolle Troika und jagten auf die kleinen Schulmädchen zu. Der Mob zeigte keine Gnade. Wenn ein Wurfgeschoss sein Ziel gefunden hatte, wurde der Verletzte verhöhnt und belacht. Sie hingen sogar in den Fenstern der angrenzenden Häuser, nur um der Gruppe verängstigter Kinder noch mehr Gewalt entgegenschleudern zu können. Martin fragte sich nach wenigen Augenblicken, warum diese Exzesse des Stumpfsinns nicht sofort von den RUC-Kräften unterbunden wurden. Wieso löste man die Demonstration der Anwohner nicht einfach auf? Eine Demonstration, die besser als Pogrom tituliert werden musste. Doch dem Treiben des Pöbels wurde kein Einhalt geboten, darauf wartete er vergeblich. Die Zielscheiben des hasserfüllten Wahnsinns erreichten irgendwann das Eingangstor der Grundschule. Die Kinder rannten panisch in das Gebäude. Die Eltern dagegen erwartete ein Rückweg voller Gewalt und Hass.“